Verbraucherwarnungen: Gefährliche NEM erkennen und meiden
Die jüngsten Verbraucherwarnungen verschiedener Behörden zeigen deutlich: Nicht alle Nahrungsergänzungsmittel, die online oder im Handel erhältlich sind, entsprechen den strengen deutschen Sicherheitsstandards. Das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und andere Überwachungsbehörden haben mehrere bedenkliche Produkte identifiziert, die ernsthafte Gesundheitsrisiken bergen können.
Gefährliche Schlankmacher mit verbotenen Wirkstoffen
Das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz hat bei einer gezielten Untersuchung neun Schlankheitsmittel aus dem Internet analysiert und dabei alarmierende Ergebnisse festgestellt. In den untersuchten Produkten wurden verbotene pharmazeutische Wirkstoffe nachgewiesen, die in Nahrungsergänzungsmitteln nichts zu suchen haben.
Sibutramin: Der verbotene Appetitzügler
Sibutramin ist ein Wirkstoff, der ursprünglich als verschreibungspflichtiges Medikament zur Gewichtsreduktion entwickelt wurde. Aufgrund schwerwiegender Nebenwirkungen wurde es jedoch in der EU und vielen anderen Ländern vom Markt genommen. Die Substanz kann zu erhöhtem Blutdruck, Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Fall zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen. Besonders gefährlich ist, dass Verbraucher nicht wissen, dass sie diese Substanz zu sich nehmen, da sie nicht ordnungsgemäß deklariert ist.
Phenolphthalein: Krebsverdächtiger Wirkstoff
Ein weiterer in den untersuchten Produkten gefundener Stoff ist Phenolphthalein. Diese Substanz wurde früher als Abführmittel eingesetzt, steht jedoch im Verdacht, krebserregend zu sein. Die langfristige Einnahme kann zu schweren Elektrolytstörungen und Darmschäden führen.
BfR warnt vor hochdosierten Vitamin D-Präparaten
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat eine wichtige Warnung zu hochdosierten Vitamin D-Präparaten herausgegeben. Während Vitamin D für die Knochengesundheit und das Immunsystem wichtig ist, können zu hohe Einzeldosen ernsthafte Gesundheitsprobleme verursachen.
Risiken einer Vitamin D-Überdosierung
Eine Hypervitaminose D kann zu folgenden Symptomen führen:
- Übelkeit und Erbrechen
- Nierenschäden
- Herzrhythmusstörungen
- Hyperkalzämie (erhöhte Kalziumwerte im Blut)
- Kalkablagerungen in Organen
Das BfR empfiehlt, die tägliche Höchstmenge von 20 Mikrogramm (800 IE) Vitamin D nicht zu überschreiten, es sei denn, dies erfolgt unter ärztlicher Aufsicht.
Weitere problematische Inhaltsstoffe im Fokus
Garcinia-Extrakte unter Verdacht
Garcinia cambogia, oft als „Wundermittel“ für die Gewichtsabnahme beworben, steht zunehmend in der Kritik. Frankreich hat bereits den Verkauf von Produkten mit Garcinia-Extrakten ausgesetzt, nachdem Berichte über Leberschäden aufgekommen sind. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) prüft derzeit die Sicherheit dieser Substanz.
Kratom: Neurologische Risiken
Kratom (Mitragyna speciosa) wird häufig in Nahrungsergänzungsmitteln als natürlicher Energiebooster vermarktet. Jedoch birgt diese Pflanze erhebliche neurologische Risiken, einschließlich:
- Abhängigkeitspotential
- Krampfanfälle
- Halluzinationen
- Atemdepression
Versteckte Arzneimittelwirkstoffe
Besonders beunruhigend ist der Fund von Sildenafil in vermeintlichen Nahrungsergänzungsmitteln. Sildenafil ist der Wirkstoff in verschreibungspflichtigen Medikamenten gegen Erektionsstörungen und kann in Kombination mit anderen Medikamenten zu gefährlichen Wechselwirkungen führen.
So schützen Sie sich vor gefährlichen Nahrungsergänzungsmitteln
Seriöse Anbieter erkennen
Achten Sie beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln auf folgende Qualitätsmerkmale:
- Vollständige Herstellerangaben mit deutscher Kontaktadresse
- Detaillierte Zutatenliste mit genauen Mengenangaben
- Wissenschaftlich belegte Health Claims statt übertriebener Werbeversprechen
- Prüfsiegel von unabhängigen Instituten
- Transparente Produktinformationen auf der Website
Warnzeichen unseriöser Produkte
Seien Sie besonders vorsichtig bei Produkten, die:
- „Wunderheilungen“ oder unrealistische Ergebnisse versprechen
- Keine oder unvollständige Inhaltsstoffangaben haben
- Extrem günstig angeboten werden
- Nur über dubiose Online-Shops erhältlich sind
- Mit übertriebenen Vorher-Nachher-Bildern beworben werden
Die Bedeutung von Qualitätsstandards und Kontrollen
In Deutschland unterliegen Nahrungsergänzungsmittel strengen gesetzlichen Bestimmungen. Seriöse Hersteller halten sich an die Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) sowie die Health Claims Verordnung der EU. Diese Regelungen stellen sicher, dass nur sichere Produkte mit wissenschaftlich belegten Aussagen auf den Markt kommen.
Eigenverantwortung der Verbraucher
Trotz strenger Kontrollen liegt ein Teil der Verantwortung bei den Verbrauchern selbst. Informieren Sie sich vor dem Kauf über Inhaltsstoffe und potentielle Wechselwirkungen mit Medikamenten. Bei Unsicherheiten sollten Sie Ihren Arzt oder Apotheker konsultieren.
Fazit: Sicherheit geht vor
Die aktuellen Verbraucherwarnungen unterstreichen die Wichtigkeit, bei der Auswahl von Nahrungsergänzungsmitteln besondere Sorgfalt walten zu lassen. Während hochwertige, geprüfte Produkte eine sinnvolle Ergänzung zu einer ausgewogenen Ernährung darstellen können, bergen minderwertige oder illegale Produkte erhebliche Gesundheitsrisiken.
Vertrauen Sie auf etablierte Hersteller mit transparenten Qualitätsstandards und lassen Sie sich nicht von übertriebenen Werbeversprechen locken. Ihre Gesundheit ist zu wertvoll, um sie durch zweifelhafte Produkte zu gefährden. Bei Fragen zu Nahrungsergänzungsmitteln stehen Ihnen Fachkräfte aus Medizin und Pharmazie beratend zur Seite.